29.06.2013 Flug nach Vancouver


Samstag, 26.06.2013

Ungemütlich startet unser erster Reisetag, Nieselregen und Kälte empfängt uns vor der Tür, als unser Privattaxi (danke Chris, du bist ein echter Freund) uns um 7.30 Uhr zum Bahnhof nach Hannover fährt.
Aber für die Hausfrauen unter uns möchte ich schon am Tag vorher beginnen, nach diesem Tag haben wir uns die Reise redlich verdient.

Wer schon einmal versucht hat alle gute Ratschläge zu beachten, die so einer langen Überseereise dienlich sind und die eigenen Vorstellungen umsetzen möchte, kann nur ins Trudeln geraten. Ein lachses, ICH schmeiße doch nur ein 2 Unterhosen in eine Sporttasche meines Göttergatten trugen nicht gerade zum Gelingen bei alle benötigten Dinge in 3 Koffer zu quetschen, mit dem Druck im Nacken die drohenden 23 Kilo pro Gepäckstück nicht zu überschreiten.

Somit bügelt die Hausfrau brav den ganzen Tag, wohl wissend, dass alles wieder kraus ist, wenn es sich aus dem Koffer schält. Der Rat einer Freundin, jeden Koffer in drei Teile zu teilen um eine Ausgewogenheit bei Verlust eines oder mehrerer Gepäckstücke herzustellen, gestaltete sich wohnzimmereinnehmend.
Eins für dich, eins für mich, eins für dich, eins für… puh!
Dann kam die experimentelle Phase des Befüllens - ein Grün ein Gelb ein Blau, in der empfohlenden Rollmethode (damit mehr in den Koffer passt).
Wozu eigentlich wenn er anschließend mehr als 23 Kilo wiegt?
Her mit der Personenwaage, da kommen wir doch zu, wenn die mich ärgern. Juchhu, das passt. und die Extrakilo, die ich durch diesen Tag verloren habe kann man sich doch beim Checken anrechnen lassen, oder?
Und dann war das noch die Sache mit den Zip-Beuteln. Ich habe die Damen von der Kontrolle platt gemacht mit der Flut von Zip-Beuteln, die ihnen aus meinem Beautycase entgegenquollen. Liebevoll habe ich alles verpackt, was nach Flüssigkeit aussah. Die Menge und Geradlinigkeit überzeugte auf ganzer Linie.

Ungeahnt und wissentlich der Tatsache wir haben etwas vergessen saßen wir also pünktlich um 8.40 Uhr auf dem Bahnsteig, wer nicht pünktlich war war der ICE.
Aber wir wollen ja nicht meckern über solche Kleinigkeiten, nichtsahnend was dem Beginn unserer Reise folgen sollte. Ich habe selten einen so überbuchten, vollgestopften Zug gesehen. Da wo die Wagennummer 1 sein sollte war Nummer 2, die sich nach Irrläufen durch den Zug dann doch als Nummer 1 rausstellte. Nach einem "der Zug fährt jetzt ab" stopften wir also wahllos Koffer und Taschen in den Zug, kaum drin - Abfahrt.
Unsere Plätze waren selbstverständlich besetzt, immer schön lächeln und freundlich bleiben. Endlich sitzen. doch 2 Stunden später war dann Stillstand auf der Strecke. Die nachfolgende Stimme sprach vom Rettungseinsatz auf den Gleisen, na prima jeder weiß, was das bedeutet.
Alle verfügbaren Handys wurden zugleich gezückt und wilde Mutmaßungen prophezeit. Das Gesicht von Christian verfinsterte sich, wir hatten uns gegen eine Autofahrt entschieden, da ja auf den deutschen Autobahnen immer soooo viel los ist.
Kurze Zeit später, eine weitere Durchsage, der Zug wird umgeleitet und erreicht mit "voraussichtlichen" 50 Minuten Verspätung nach Frankfurt.
Trau niemals einem Bahnbeamten, die 2,5 Stunden Puffer zwischen Ankunft und Abflug in Frankfurt schmolz dahin. Aus 11.14 wurde dann doch 12.46 Uhr.


Zum Glück gab es dann noch den Schnell-Checkin-Schalter am oberen Terminal.
Aber wieder hatte uns einer auf dem Kieker, kauf erreicht, frohlockte direkt vor uns ein Terminalbeamter dunkler Hautfarbe, so meine Herrschaften hier ab sofort nicht mehr anstellen, bitte gehen Sie in das Hauptterminal (20 Minuten Fußweg) und Edda jetzt schon völlig fertig.
Einen Augenaufschlag später, ein "oh Gott wie weit ist die Strecke denn zu gehen" später stehen wir in der Schlange und hinter uns wird alles abgewimmelt.
Am Schalter dann ein netter Mann, (der hat die Ruhe echt weg) verkündet bedauernd "Frau Wilkening es tut mir sehr leid.. (jetzt das Gesicht meines Mannes einblenden, kampfbereit, auf alles vorbereitet) .. ich muss ihnen mitteilen, dass die Economy Premium Class überbucht ist, wir dürfen sie upgraden, sie fliegen Businessclass, ist Ihnen das recht?
Warum hat jetzt keiner ein Foto gemacht ;)


Zum Gate ist es endlos und die Zeit drängt, noch 20 Minuten, dann geht der Flieger, Sturmschritt, Ankunft in der Halle, bing - ihr Abflug verzögert sich auf 15.05.
Super, dann geh ich mich mal trockenlegen, Beautycase und Zipbeutel sei Dank bin ich bestens ausgestattet.
Noch 30 Minuten Warten in der vollen Halle, beim Checken die Bestätigung, ja der Flieger ist überbucht sie fliegen Firstclass, supi!
Der Zieharmonikabus wird mit einem heißen Reifen gefahren, nachdem er 12 Minuten mit uns rumstand muss er wohl Zeit aufholen.
Beim Aufstieg schmunzle ich schon über meinen Luxussessel in der Businessclass, da verstellt mir eine freundliche Flugbegleiterin den Weg und weist mir den Weg in die 2. Klasse, irritiert frage ich nach. Nein, das müsse auf dem Ticket stehen ich solle schon zu meinem Platz gehen, wenn sich noch was ergibt käme sie dann selbst verständlich zu mir.
Die nette Dame kräusle jetzt immer die Lippen, wenn sie mir ein Getränk reicht, wahrscheinlich denk sie, so dreist hat es noch keine versucht…

An meinem Platz erwartet mich mein Sitznachbar, ein junger Mann, nach kurzem Vorstellen, "Russlan" aus Kasachstan. Gutes Deutsch, besseres Englisch. Seines Namens Flugbegleiter mit beruhigenden 2000 Flugstunden, lächelt während ich mich ängstlich an meiner Sitzlehne festklammere. Der freundliche Kapitän empfängt uns mit den Worten: "entschuldigen Sie die Verzögerung, die Maschine musste aus dem Verkehr gezogen und eine Ersatzmaschine neu mit unserem Gepäck beladen werden, super, ob unseres auch dabei war?
Dann das Rauschen der Flugzeugmotoren, jedoch nicht passiert, auch der Co-Pilot möchte seine Stimme hören, als er uns mitteilt, der Flieger kann leider nicht abheben, da eine Landebahn wegen starken Seitenwinden gesperrt ist. Ok lieber am Boden verharren und warten, als fliegen und abstürzen.
Nach weiteren 40 Minuten erheben wir uns in die Lüfte, verbleiben aufgrund der starken Turbulenzen, wie Kahns auch anders sein, in 8000 Meter Flughöhe und bleiben erst mal angeschnallt.
What a Day!

Dann endlich sehen wir Vancouver, 16.50 canadischer Zeit. Wir eilen aus dem Terminal - oh Wunder sollten das schon unsere Koffer sein? Alle drei, preist den Herrn sind mit uns geflogen. 
Weiter zur Autovermietung, anstellen in der Schlange, gebuchter Checkin 18.27 Uhr und das Warten beginnt, alle deutschen, östereichischen und schweitzer Canadareisenden haben besseren Draht zu dem Navigator in dem gestärkten weißen Hemd. Es geht zu wie im Taubenschlag. Nach einer geschlagenen Stunde platzt der sonst so freundlichen, rücksichtsvollen Edda der Kragen. In stokeligem Englisch (ist immerhin locker 25 Jahre her) pfeife ich den Herrn in Weiß in die Schranken, Das scheint zu fruchten und so sitzen wir nach 90 Minuten in einem nagelneuen Chrysler Minivan 7sitzer mit allem Schicki-Micki (geht doch, warum nicht gleich so). Wir bedanken uns brav und lächeln freundlich. 
 
Dass unser von daheim mitgenommenes Navi seine Antenne daheim hat liegenlassen erwähne ich nur ganz nebenbei. Der Ton wird jetzt schon etwas rauher, wir kleben, haben Durst, sind gefühlte Tage, ja Wochen auf den Beinen und wollen nur noch schlafen.
Zu unserem Bett sind es aber noch 150 Kilometer, das Navi errechnet, nachdem es sich dann doch überlegt hat mit uns zu spielen, geplante Ankunftszeit 21.45 Uhr. 
Damit mir mein Mann nicht wegnickert pieke ich in regelmäßigen Abständen in seinen Nacken un d da plötzlich sehe ich im Rückspiegel fallen seine Augen zu. Ein flotter lauter Anschnauzer und er ist wieder wach.

Und da sind wir, gepflegtes Hotel, 2 Doppelzimmer mit Kingsize-Betten, Küchenzeile, großer Balkon mit Blick auf den Harrison Lake und umliegende Bergketten im Sonnnuntergang und der schönste Anblick ein Badezimmer.
Noch nie haben wir uns das Duschen so hart verdient!






Liebe Grüße von den Canadiern
Christian, Edda und Timon

4 Kommentare:

Heike und Dirk hat gesagt…

Guten Morgen Ihr Lieben,
nun ist er da, der große Tag, auf den Ihr soooooo lange hingefiebert habt. Nun wird der Traum wahr, drum: Have a safe trip and ENJOY!!!

Bianca hat gesagt…

Ich freu mich so für euch <3 habt viel spass!!!

Indianer hat gesagt…

Na, das war ja mal ne coole Anreise. Da war ja alles dabei aber jetzt seid ihr ja vor Ort und nun geht es richtig los.

Andreas und Tanja hat gesagt…

Endlich kanadischen Boden unter den Füßen, viel Spaß euch dreien auf eurer Reise durch die Wildnis.