04.07. - 05.07. Jasper

04.07.2013




Wir starten mit einem Temperatursturz von 36 auf 15 Grad in den Tag. Um es kurz zu machen, die Fahrt von Banff nach Jasper war eine Traumstrecke. Die 289 Kilometer führen uns durch Postkartenlandschaften, entlang endloser Tannenwälder, gigantischer monumentaler Bergketten mit ewigem Eis gekrönt, azurblauem Himmel mit weißen Wattewölkchen. Hingegossen auch die türkisfarbenen Seen (wir streiten uns noch über die Farbe, von Blau, aber das wäre zu einfach, zu Petrol ist alles dabei). Die Straße schlängelt sich in ruhigem Auf und Ab und hinter jeder Biegung eröffnet sich uns ein neuer, scheinbar noch schönerer Blick auf Gottes unglaubliche Natur. Man kommt sich so klein vor und kann nur staunen.
Die reißenden Flüsse tragen Hochwasser und es wird uns versichert, so viel war es lange nicht, wobei nicht nur Regenfälle, sondern abgehendes Schmelzwasser durch den langen Winter dazu beiträgt.
Wir sind unterwegs auf der 1A und fahren von Banff ausgehend entlang des Bow Valley Parkway Richtung Lake Louise.

Unseren ersten Stopp legen wir ein am Bow Lake, es eröffnet sich uns ein atemberaubendes Panorama. Was für ein Blick, was für ein Wetter, welch Blau, da bekommt der Begriff Bergkette gleich eine ganz andere Wertung und jeder Schweizer wird ganz blass.





Es folgt der Moraine Lake, mit dem typischen Fotomotiv, welches ich gleich für ein paar Bilder nutze. Zum Glück sind wir früh dran und der Lake noch nicht überbevölkert, trotzdem versperren Touri's immer wieder das freie Fotomotiv, dann eben auf dem Rückweg wieder runter ein Foto.
Possierliche Streifenhörnchen nähern sich neugierig jedem ankommenden Touristen, "hat der etwas zu fressen für mich?" scheinen sie zu sagen.



Tipp am Rande, einfach jemanden mit Kamera anquatschen, ob man ihn und die gute Göttergattin fotografieren soll, als Dankeschön bitte ebenfalls mal auf den Auslöser drücken, and thank you very much! Geht doch, dann der Witz, wir kommen herunter und kein Touri zu sehen, na, prima. Aber das spanische Pärchen sieht vielversprechend aus. Mutig entreiße ich der Dame das iPad, das ist hier so Gang und Gebe, keine Kameras, nur noch Handys iPhones, iPads, oh du schöne digitale Welt. Sie ist erstaunt, aber seelig und unser Foto wird auch was, na geht doch.




Chateau Lake Louise haben wir uns gespart, dort war es voll ohne Ende. Nicht enttäuscht sein, auch das findet ihr in jedem Reiseführer.

Wir befinden uns im Banff National Park und sehen linker Hand den "Mount Stephen", 3140 m, den "Kicking Horse Pass", 1643 m und den "The President" mit 3138 Metern. Wer von uns Deutschen kann schon von sich behaupten, er hätte den Präsidenten gesehen und ihn links liegen lassen (haha Scherz am Rande).
Hinter Lake Louise wechseln wir auf den Icefields Parkway (93).
Wir befinden uns im "Bundesland Alberta" an der westlichsten Grenze zu British Columbia, hier ticken die Uhren anders, denn zwischen Revelstoke und Golden haben wir die  "Mountain Pacific Standard Timezone" überschritten und sind seit dem nur noch 8 Stunden von euch entfernt.

Vorbei an MT Forbes, MT Lyell, MT Columbia und MT Clemenceau dringen wir tief ein in den Jasper National Park.

Die Tierwelt meint es sehr gut mit mir, wir orientieren uns zielstrebig an haltenden Autoschlangen, denn diese Touristen beweisen den richtigen Riecher, wo ein Japaner, da ein Bär und es kommt zu lustigen Situationen, wenn man still und andächtig durch den Sucher seiner Kamera starrt, um nichts zu verscheuchen und ein Japaner mit aufgelöstem "Bear, Bear?" an einem vorgestürmt. Beruhigt kann man sich dann zurückziehen, denn wenn hier einer gefressen wird, dann bestimmt nicht ich.



Unseren ersten Bären sehen wir durch eine Autokolonne hindurch, brav stellen wir uns an, nur die Fotografin will nicht so recht aus dem Auto, todesmutig schicken wir Timon mit der Kamera auf die Jagd nach dem besten Foto, er hat die jüngsten Beine und ist fast so groß wie ein junger Schwarzbär, deshalb stehen die Chancen ganz gut, dass er heile wieder das Auto erreicht.









Was für ein Prachtstück, ok und schnell ein Häkchen auf unserer Liste: Berge - ok, Backenhörnchen - ok, Bär - ok, gute Ausbeute nach so kurzer Zeit.
Es soll ja Leute geben, die fliegen zwei Mal nach Canada und sehen gar keinen Bären (an dieser Stelle liebe Grüße an Dirk und Heike, nanananana!). Nicht traurig sein, wir bringen ja ein Foto mit.





Bei einer kurzen Pipi-Pause in den Tiefen des canadischen Waldes, knapp 20 Meter vom belebten Parkplatz entfernt, ein tosendes Rauschen, hier bricht Wildwasser durch steinerne Wände, ein netter Anblick, schnell wird die Kamera herangewunken und nichtsachtend der ziemlich angriffslustigen Mückenkolonie verbringen wir 1-2 Minuten in idyllischer Wildnis, dann hält uns nichts mehr, die Mücken scheinen satt für den Tag und wir haben unsere gute Tat für heute getan.





Wir nähern uns dem Columbia Icefield und dabei stoßen wir auf die typischen roten Megabusse, welche mit gigantischen Reifen das Eisfeld erklimmen. Jahrtausendealtes Eis, durch klimatische Einflüsse unserer heutigen Lebensart zusammengeschmolzen, in Front lässt das steingraue Geröll erahnen, wie weit das Eisfeld einmal gereicht hat. Die Zivilisation fordert gnadenlos den Tribut.

Wir erreichen Jasper am Nachmittag gegen 16.30 Uhr, da das Navi keine Miette Hot Springs Avenue ausgewiesen hat, dachten wir über ein wenig freies Suchen nach (kann ja nicht so schwer sein). Hier kommen wir jetzt zu einem Hinweis am Rande, in dem Moment wo "Mann" canadischen Boden betritt aktivieren sich animalische Instinkte. Wir suchen, wir halten nicht an, wir wenden nicht und Fragen ist etwas für Schwächlinge.

Mein zaghaftes "wollen wir schon mal hier einkaufen, wo wir schon mal in Jasper sind?" verhallt ungehört. Männer suchen erst die Höhle und sorgen dann für Futter. In diesem Falle ein fataler Fehler, denn unsere "romantisch gelegene" Blockhütte erreichen wir erst nach 40minütiger Fahrt.
Um 17.15 Uhr erreichen wir die "Poccachontas Lodges" in - haltet euch fest - Jasper. Ok die Dimensionen in Canada sind halt andere.



Heute Abend erwarten wir ganz besondere Gäste, nee nicht Fuchs und Hase, Karin und Stefan urstämmig aus Hildesheim. Sie leben in der Nähe von Edmonton, ca. 430 Kilometer entfernt und sind heilfroh echte Deutsche zu treffen.

(Die Beiden bestätigen uns, das sie auch schon mal 500 Kilometer auf'n Kaffee gefahren sind, weil sie Deutsche Bekannte treffen wollten, nur um mal wieder Deutsch zu sprechen, schon ist mein schlechtes Gewissen verflogen).
Vor 7 Jahren ausgewandert haben sie sich eine Farm gekauft und leben den "Canadischen Traum". Heimweh nach Deutschland haben sie trotzdem. Zuhause hatten sie Milchwirtschaft, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. 19 Cent gab es den Liter Milch und keinen Urlaub.
Stefan erzählt viel von der Landwirtschaft, das interessiert mich sehr, sie haben 35 Hektar Land gehabt in Deutschland, vom Papa, zerhackt in 116 einzelnen Feldstückchen.
Hier in Canada haben sie 7 x 64 Hektar Land am Stück.
"Das schafft ihr nicht", haben Freunde und Bekannte gesagt, "die sind eh bald wieder da mit leeren Händen" unkten andere.

"Geschenkt bekommt man hier nichts" sagt Karin, mit eigenen Händen bauen sie ihr Haus, leben währenddessen im Mobile-Home (ca. 5 x 15 Meter großer mobiler Wohncontainer).

Das Getreide wird in riesigen Silos gelagert und "häppchenweise" verkauft, dazu beladen die beiden LKW mit 65 Tonnen. Stefan erntet, Karin fährt, Stefan spritzt, Karin bringt das Saatgut. Ein tolles Team und ganz ohne Erntehelfer bewirtschaften sie die Farm im Alleingang. Wie das möglich ist - ein Lachen von Karin, die Maschinen sind hier viel größer, die Ernteflächen effizienter.

Ein halbes Jahr wird sich um die Ernte gekümmert, dann kommt der Winter und mit ihm meterhoher Schnee, 6 Monate mit stellenweise 40 Grad Minustemperaturen.
"Wir fahren nur bis -20 bis 30 Grad" sagt Stefan, "bei -40 macht das keinen Spaß". Aha, denke ich mir und schmunzele über unsere Temperaturen in Großburgwedel.

Ihre Tochter Simone ist so alt wie Timon, bewacht die Farm, während die Eltern sich 2 Tage wegstehlen um Zeit mit uns verbringen.

An dieser Stelle herzlichen Dank für eure Offenheit und die warmherzige Art mit der ihr uns empfangen habt in eurem Canada.

Gemeinsam fahren wir am Abend noch nach Hinton, um noch schnell etwas für den Abend einzukaufen, Supermärkte sind hier rar und nächstes Mal bin ich beharrlicher.

Der BBC-Grill in der Mitte der Blockhäuser-Ansammlung empfängt uns mit Elektro-Pellets, schnell das Steak und die Würstchen drauf, schnell ein Salat gemacht. An frischer Luft schmeckt es ganz anders, leider finden das die Mücken auch und somit nutzen wir den spontanen Regenschauer, um uns auf unsere Veranda zu flüchten.




Das Häuschen ist wirklich aus ganzen Holzstämmen gebaut und riecht nagelneu, als wir die Tür öffnen. Nett ist es hier, dicke Baumstämme, Hüttencharakter, Kingsize-Betten, alles schön und professionell eingerichtet. Sogar eine Möglichkeit zu Waschen gibt es hier. Meine Rettung, Maschine und Trockner, was will man mehr. Hier kann man sein müdes Haupt niederlegen. Sicherlich hatten die Siedler damals nicht den Luxus von Geschirrspüler, Grill und Mikrowelle, als sie damals hier sesshaft wurden.

Verwöhnt wie wir schon sind, müssen wir feststellen, dass es hier eingekeilt zwischen 3500 Meter hohen Giganten keinen Internetanschluss gibt. Wir begnügen uns mit einem kurzen Post auf dem Blog am hoteleigenen Computer, 56k-Modem anno Tuck ist ja nix dagegen. Aber wir haben ja Urlaub und es reicht, dass ganz Deutschland weiß, dass wir nicht vom Bären gefressen worden sind.





05.07.2013


Ich sage nur "Kingsize", also ich habe gut geschlafen, "na, super Mama, du hast geschnarcht, ich lag die ganze Nacht wach". Und ich: "Du bist jung, mein Sohn und machst doch auch sonst nächtelang durch" - ein finsterer Blick. "oh Mama, das ist was Anderes".

"Ich komme nicht mit", super das ist der Satz, der den Morgen erhellt, genau das will ich hören, wenn ich tausende Kilometer fliege, um meinem Kind eine andere Welt zu zeigen.

Aber, und das wissen alle Eltern pubertierender Teenies, Reden nutzt nichts, Sauer sein hilft nichts, Schimpfen fruchtet schon lange nicht mehr. Dann eben nicht. "Nörgelnde Kinder gehören nicht in mein Auto" klingt nett und weise, fühlt sich aber doof an.

Gut Schultern zurück, Krönchen gerade rücken, wir lassen uns den Tag nicht verderben.
In Jasper holen wir Karin und Stefan ab, es gibt noch so viel zu erzählen, ein ganzer Tag liegt vor uns mit Landschaft pur und toller Gesellschaft.

Unser erster Weg führt uns vorbei am Medicine Lake, (endlich jemand der die Fotos für uns macht) hin zum Maligne Lake. Hier erwartet uns der gigantische Ausblick, der auf allen Canada-Postkarten und Reiseführern zu finden ist.






Links Bootshaus, rechts Berge, dazwischen See in Türkisblau oder war es Petrol?
Leicht bewölkt ist es und wir pausieren hier, um weitere spannende Einzelheiten über Canada zu erfahren.




Endlich sind wir auch mal Beide auf einem Foto, das gestaltet sich ja sonst schwierig, Stefan, du verstehst nicht nur was von Landmaschinen, sondern auch vom Ernten beim Fotografieren.


In Canada darf man in der Öffentlichkeit keinen Alkohol trinken. Führt man Alkohol im Fahrzeug bei sich, muss sich dieser verschlossen im Kofferraum befinden.

In Canada sind die Toilettenschüsseln ca. 20 Zentimeter niedriger als in Deutschland, die Brille ist vorne immer unterbrochen und das Papier nie mehr als 2lagig, die Spülung mehr ein Gefühl von Flutsch und weg (wenn jemand diesen Film gesehen hat), Klobürsten habe ich erst eine gesehen (Hmmmm).

Duscharmaturen haben einen Hebel zum drehen, sehen aber aus wie unsere Mischhebel, somit wird das Erstduschen von einen fröhlichen Jauchzer begleitet, kalt, kalt, kalt, ah warm.

Waschmaschinen sind Toplader, so wie in amerikanischen Filmen, voll lustig.

Tim Horten ist hier bei Teenies und jungen Leuten das beliebteste Restaurant, hier gibt es free WiFi.

Eine andere Fastfood-Kette (Name vergessen) ist bei Senioren beliebt, hier bekommt man Kaffee for free nachgeschenkt.

Bei A&W reichen die Trucker im Drive-In den eigenen Kaffeepott durch das Fenster und bekommen ihren Kaffee, in Deutschland einfach unvorstellbar.

Hier gibt es viele Geschäfte in denen man lose Ware kaufen kann, vom Semmelbrösel bis zum Krokant, hier füllt man sich das Gewünschte ab, wiegt und bezahlt, das ist echt TOP!

Milchprodukte wie z.B. Milch selber, Käse, Quark, Joghurt, Milchgetränke sind wahnsinns-teuer, ich erinnere an den Emmentaler 100g 7,95 Dollar. Ein Pott Quark 500g 5,95 (und das ist nur der Abfall von der Milch - sagt Stefan). Das liegt an der Milchquote, diese verschafft den Milchbauern pro gemolkenem Liter Milch 85 cent garantiert.
80 % der Milchwirtschaft in Canada liegt in niederländischen Händen. Sollte diese Milchquote abgeschafft werden, Gruß an Frau Merkel aus dem schönen Deutschland, stehen diese Landwirte vor dem wirtschaftlichen Ruin.
Möchte man heute Milchbauer in Canada werden, muss man sich eine Erlaubnis kaufen Milch melken zu dürfen, diese kostet 5 Millionen Dollar pro 100 Kühe, die man melken möchte.

Wie schön also, wenn man solch eine Erlaubnis schon vor 40 Jahren besessen hat, dann ist man heute ein gemachte/r Mann/Frau.

Canada ist unglaublich sauber, hier gibt es einen "Cleaning-Day", dazu ruft die Regierung einmal im Jahr auf, dann bevölkern unzählige Leute Wald und Flur und entmüllen ihre schöne Natur. Das scheint gerade gewesen zu sein, ich kann keinen Becher, keine Flasche, keine Tüte entdecken, noch nicht mal ein Kaugummi (für diese gibt es in den Städten spezielle Behältnisse in die man sie werfen kann).

Hmmm, das Brot - wie erwartet gibt es hier keine Kohlenhydrate, die man als solches bezeichnen kann. Das ist alles Pappe. Entweder zu süß, wie fast alles hier, oder zu gehaltlos. Da geht noch was, liebe Canadier, man munkelt es gibt hier deutsche Bäckereien, wo vorne Brot rauskommt und Hinten Gold.

Die Straßen - guter Zustand, hier donnern ja auch keine polnischen Schrottlaster drüber, sorry Leute, aber das geht echt nicht so weiter.
Hier gibt es keine Leitplanken, was am Tage kein Problem ist, jedoch des Nachts zu echter Orientierungslosigkeit führen kann. Vorteil, man fährt noch viel langsamer, als erlaubt.

Führerschein - mit 14 darf man die Theoretische Prüfung ablegen, kostet 60 Dollar. Mit 16 darf man dann Auto fahren, nachdem einem der Beifahrer ein wenig Praxis beigebracht hat. Ach du Schreck, aber, oh Wunder, es geht irgendwie, so schnell fahren sie hier ja nicht.

Straßenverkehrsregeln - wer zögert verliert und andere Seltsamkeiten. Die Ampeln stehen hinter einer Kreuzung, demzufolge darf man immer links oder rechts abbiegen, wenn der Verkehr es erlaubt.
Stop-Schilder gab es im Hunderterpack billiger. Fahren - bremsen, fahren - bremsen, in einer Tour und immer aufpassen, das einem Keiner vors Auto springt, denn Fußgänger stieren starr nach Vorne und gehen immer zuerst.

An manchen Kreuzungen gibt es ein 4-Way, 3-Way oder 2-Way, hier hat der Vorfahrt, der als erster ankommt oder mutig genug ist oder schwanger ist - sehr gewöhnungsbedürftig. Es hilft der Blickkontakt, manchmal aber nicht, denn die Touris in Mietwagen blicken das System nicht. Vorsicht vor winzigen Japanern in großen Autos.

Am Anfang hilft es, wenn der Beifahrer mit aufpasst, denn der Fahrer hat schon genug damit zu tun an waagerecht kreuzenden Linien auf der Fahrbahn keine Frauen mit Kinderwagen zu überfahren.

Ein "ok Schatz, erst der da links, dann der rote und dann du" kann sehr zu Klärung der Situation beitragen, trägt aber auf Dauer nicht zum Wohlbefinden des sonst so selbstständigen Mannes bei, der sich Daheim souverän im Großstadtdschungel von Hannover zurechtfindet und den Wagen nach Sonnenstand und innerem Kompass navigiert.

Ein Tip am Rande: haltet stets Erfrischungen wie gekühlte Cola und ausreichend Essbares bereit, sonst wird die Tagesetappe danach bewertet, ab wann der Magen auf den Knien hängt, dabei ist die Aussicht doch so schön und wer weiß, wann wir hier mal wieder her kommen.


Die nachfolgenden Maligne Canyons präsentieren sich schwindelerregend. Das ist gar nicht für meinen Mann, somit schieße ich mutig die Beweisfotos in die Tiefe, damit er sich diese wenigstens später anschauen kann. Schmale Brücken führen über tiefe Schluchten, aber nach der Dritten ist Schluss, hier geht er nicht mehr weiter und dafür habe ich Verständnis, die Fotos sind ja im Kasten und ich habe, was ich brauche, um zu sagen: ich bin dagewesen!








 Ein Traum von einem Märchenwald, des Fotografen Herz schlägt höher.





Unserer Liste, die es ja abzuarbeiten gilt, fügen wir nach anschließender Weiterfahrt noch einen weiteren Wapiti-Hirsch hinzu, das Geweih ist gewaltig, doch der Herr zeigt mir nur den Hintern. Nun gut wir können sagen wir haben ihn gesehen und das zählt ja auch schon, oder?




















































Und als hätten wir unser Limit noch nicht erreicht kommt hier die Doppelbelegung, und hier läuft das andersherum, hat man schon einen Kniffel, muss man nicht die große Straße wegstreichen. Somit fügen wir unsrer Liste, (hallo Heike, hallo Dirk), zwei weitere Schwarzbären hinzu.







An dieser Stelle sei erwähnt, dass wir das zweite Auto sind, dass hält, Karin hat super Augen (ok geschult von sieben Jahren Vorsprung). Diesmal eilt die Starfotografin selber zur Stelle des Geschehens, von Stefan navigiert, dringen wir tiefer ins Untergehölz vor und werden belohnt vom Anblick eines wunderschönen Schwarzbären, der genüsslich rote Beeren von einem Strauch lutscht. Nicht aus der Ruhe zu bringen, der Kerl und der Blick geht direkt in unsere Richtung. Als mir klar wird, dass er uns genau im Auge behält und ich vielleicht nur 30 Meter entfernt stehe, bekomme ich doch Fracksausen und wohlwissend um ein paar gelungene Schüsse, sitze ich auch schon wieder im Auto.


Schnell noch unser Kind erlösen, der hockt ja schließlich noch in der Blockhütte 40 Minuten von Jasper entfernt und hat sicher Bärenhunger. "Ich habe bis 14 Uhr geschlafen" tönt es uns entgegen, "dann kam der Housekeeping-Service", jetzt nur kein Mitleid.
Schnell noch die 3-Dollar-Wäsche gemacht mit dem Toplader, dem 1-Dollar-Waschmittel aus dem Automaten und dem 3-Dollar-Trockner. Und wieder zurück nach Jasper (äh 40 Minuten, ist ja ne nette Strecke).

Liste raus, Steinböcke präsentieren sich uns am Steilhang, sie passen sich so gut dem Hintergrund an, dann sie kaum zu erkennen sind. Klettern tun sie wie die Weltmeister und die Hörner sind auch nicht zu verachten.


Gegessen haben wir gut im L&W Family-Restaurant, als Tipp immer die Leute fragen, die ein Restaurant verlassen, wie das Essen gewesen ist, die geben gerne Auskunft.
Internationaler Flair, Blau-Grüne Lichterketten (gewöhnungsbedürftig, aber Leute wir haben hier sogar Tannen mit Weihnachtsbeleuchtung gesehen!), griechische Besitzerin, chinesische Bedienungen, halbes Hähnchen war superlecker, mit Fries und frischem Brot. Im Hintergrund Mireille Mathieu, Walzer, Arien, griechische Musik, na eben das volle Programm, damit Ausländer sich so richtig wohl fühlen.
Gesessen haben wir unter einem gigantischen Ficus Benjamini, der war echt, mit der Angst es fällt Laub in unser Essen. Vor der Tür und auf dem ganzen Grundstück Mammut-Geranien und XXL-Bougainvillen. Begleitet wurde unser Essen von interessanten Auswanderungs-Tipps unserer charmanten Begleitung.

Von Karin und Stefan haben wir uns an diesem Abend leider verabschiedet, mit dem Versprechen sie als Gäste bei uns in Deutschland in Empfang zu nehmen.
Eine gute Ernte wünsche ich euch und Alles, was ihr euch für Canada wünscht, möge in Erfüllung gehen, zusammen schafft ihr das!
Tipp: wollt ihr nette Leute und Gleichgesinnte kennenlernen, sucht in Canada-Foren, denn dort haben wir die Beiden kennengelernt.


Der Tag wird gekrönt von netten Steiböcken. Sie kraxeln akrobatengleich an steilen Steinwänden herab, sind gerade in der "Mauser" (ich weiß das heißt anders, aber mir fällt das Wort gerade nicht ein), denn die Wolle hängt ihnen in Flocken vom Körper und sie sehen ganz schön gerupft aus.
Straßenüberquerungen nehmen sie mit einer Gelassenheit, die an Dreistigkeit grenzt, hier in Canada weiß jeder Steinbock von Geburt an, die Tourist halten schon an, wenn sie ein Foto wollen. Und diese wollen immer ein Foto, dafür nehmen sie gewagte Vollbremsungen in Kauf, obwohl hier auf den Landstraßen überall 100 km/h, oft weniger, vorgeschrieben ist.






Suchbild, wo ist der Steinbock, und wenn ja wie viele?
 


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