08.07.2013
Clearwater - Cache Creek - Lilleoot - Whistler
438 Kilometer
Nach
einem guten Frühstück an frischer Seeluft unter dem Summen der Kolibris
(das könnte ewig so weiter gehen) müssen wir uns leider von "unserer"
Blockhütte trennen, ein wehmütiger Blick zurück. Der nette Manager
empfiehlt uns diesmal die andere Strecke zu nehmen, somit fahren wir
nicht die 50 Minuten zurück nach Clearwater, sondern auf einer neuen
Wildnisstrecke, 7 Kilometer den Hügel runter, scharf rechts, weitere 6
Kilometer Schotterpiste über Brücken, die selten vertrauen erwecken,
direkt hinein in das Reservat Dunn Creek Hatchery (sprich noch mehr
dichter Wald).Dann zu meiner Belustigung eine nette Wegweisung - hier mitten in der Pampa, ein Bible Camp (ruhe friedlich und bete zum Höchsten) - Aussteigen und Besinnlichkeit pur, Mücken inklusive, kostet die gestressten Christen aus Vancouver wahrscheinlich ein Heidengeld hier zur inneren Ruhe mit Gott zu finden. (Hinten rechts die kleine Hütte war die Unterkunft)
Dann das Schild, das jedem Menschen mit Höhenangst einen Heidenschrecken einjagt (den Beifahrern übrigens auch) 20% Steigung bzw. Gefälle auf einer Schotterpiste.
Dann vor uns etwas wie ein Auerhahn, ist dann auch weggeflattert, als wir näher kamen (Liste!), äh können Auerhähne fliegen?
"So you have to honk and the man come with the ferry". Das steht auf dem Zettel vom letzten Hotel.
Somit bringt uns unser ganz besonderes Abenteuer, eine Fährüberfahrt (kostenlos), auf die andere Seite des Flusses. Genau 2 Autos passen drauf und es dauert ganze 3 Minuten, voll lustig. Gezogen werden wir an einem Stahlkabel, damit wir nicht den reißenden River runter treiben.
Der erste Teil der Strecke führt uns durch die Cariboo-Mountains. Wieder kreuzen vollbeladene Holzlaster unseren Weg, mit 8-10 Achsen transportieren sie Tonnen Gehölz, vermutlich für IKEA in Deutschland.
Ein wenig Wildwechsel bringt uns nicht mehr aus der Ruhe, dafür halten wir nicht mal mehr an, die Fotos werden im Vorbeifahren geschossen, quasi aus dem Handgelenk!
Den Bären Numero 4 erspäht Timon, schnell wechselt dieser die Straßenseite und als ich hochsehe, erblicke ich von ihm nur noch seinen dicken Popo (also leider diesmal kein Foto für die Scorerliste).
Hier wird aktive Rinderzucht betrieben, immer wieder weisen Schilder starken Rinderwechsel aus, jedoch sehen wir kein Einziges, die laufen hier nämlich nicht auf Wiesen rum, sondern überall auf den abgesteckten Arealen, die zum Grundstück der Farmen gehören. Damit die Viecher nicht weglaufen gibt es sogenannte Cattle-Guards (wie im Serengeti-Park) Gitterstäbe im Boden, über die die Tiere nicht gehen.
Zum Füße abkühlen halten wir am Bridge-Lake und Christian bestätigt uns es ist seeeeeehr kalt im Wasser und das, obwohl außerhalb des Wassers gefühlte 35 Grad sind.
Die Landschaft wird jetzt stellenweise von traumhaft schönen Birkenhainen unterbrochen, alles ist sehr grün.
Wir sind im Green Lake Provincial Park.
Schilf wächst an den Seen, die wir reichlich passieren, über 70 Mile House geht es nach Clinton. Ein kleines niedliches Kaff, aber es gibt selbstverständlich eine Kirche.
An einem großen See machen wir eine kurze Brotvesper, dann erspähe ich auf einem entfernten Baumwipfel etwas Weißes.
Schnell das Tele her, jau ein Vogel, können wir näher ran Schatz?
Klar können wir, wir sind zwar von Mücken zerfressen und nicht bester Laune, weil noch gefühlte 400 Kilometer vor uns liegen, aber wenn Frauen quängeln…
Ja, was ist denn das - ein Weißkopfadler, dafür kommt man nach Canada, für solch ein Erlebnis.
Die Geschichte dazu, Edda steigt aus, zückt die Kamera, ein älterer Herr mit Anglermütze kommt auf dem Parkplatz auf mich zu und sieht fragend in die gleiche Richtung, (Shit, mir fällt so schnell das Wort für Adler nicht ein, nachher ist man immer schlauer, danke) "Oh, the eagle, yes" - das ist ein Weibchen, sie hat hier in der Nähe ein Nest mit 2 Jungen und wartet auf ihn, hä? Worauf? Ja, auf ihn, denn er fährt jetzt zum Angeln auf den tollen, großen See hinaus und wenn er wiederkommt pfeift er und die Adlerdame schwingt sich herrunter, er wirft den Fisch hoch und sie schnappt ihn sich im Sturzflug, in ca. 1 Stunde können wir wiederkommen, dann würde er es uns vorführen und ich könne tolle Fotos machen.
Nun blicke ich verdattert, Anglerlatein? Leider haben wir nicht so lange Zeit, wir müssen weiter, wir haben noch einen weiten Weg nach Whistler vor uns. Ich bedanke mich brav und lächle in mich hinein, jaja pfeifen!
Wenig später sehe ich auf den See zurück, da sitzt der Mann in seinem Boot und hat seine Angelrute schon ausgeworfen...
Und fröhlich geht es weiter auf unserer "Alternativstrecke", extra an der Tankstelle gefragt, ja, dort geht es lang, ja, die Strecke ist im Sommer nicht gesperrt. Das sieht auf der Karte so harmlos aus - eine kleine weiße Linie. Ich nehm's schon mal vorweg. In Clinton niemals Rechts abbiegen, folgt einfach der abknickenden Vorfahrtstraße in Richtung Cache Creek.
Was nun folgt, wird zur echten Mutprobe und das Foto sieht noch harmlos aus, denn die Stelle an der Christian auf der Steigung wendet, um umzukehren habe ich besser nicht fotografiert. Sonst lässt mein Mann mich locker aussteigen, so mitten in der Wildnis.
Zück die Liste - ein Murmeltier, der hat auch erstaunt geguckt, sieht wohl nicht so oft Deutsche.
Die Landschaft wandelt sicht zu einem anständigen "Schwarzwald", wieder Landwirtschaft, satte Wiesen, lichter Wald auf den Bergen. Ja, auch hier wohnen Menschen.
Dann wird es karger, Buschlandschaft, kaum mehr Tannen auf den Hügelketten, graueres Grün vermischt sich mit satten Wiesen. Am Marble Canyon kahle Berge in sandbeige, machen einem Cayon alle Ehre, fast schon wie in Winnetou glaubt man gleich Reiter am Horizont zu erspähen, fragt sich bloß ob Weißer oder Rothaut.
Endlose Stromtrassen zeugen davon, dass hier auch Strom gebraucht wird, von wem bloß? Wir können keine Siedlung entdecken und dass seit mehreren Kilometern.
Schlammgrau durchziehen Flüsse die Naturschluchten, hier der wohl Größte der Gegend, der Thompson-River im Juniper-Beach-Provincial-Park. Draußen (außerhalb des klimatisierten Autos) das stete Rasseln von Grillen und Klapperschlangen.
Lillooet erreichen wir nach endloser Fahrt (ca. 1,5 Stunden) in sengender Hitze. Ein echter Ritt sozusagen, wenn wir per Pferd unterwegs gewesen wären, wie zu damaliger Zeit, dann hätten wir Wochen gebraucht.
Haltet euch an Tipp "Futter" ausreichend, Benzin fürs Auto, Trinken für Männer, Essen für Alle im Fahrzeug bereithalten.
Und immer noch sind es 170 Meilen nach Whistler. Die Landschaft wir wieder grüner, Weinanbaugebiete sind zu erspähen (habe mich schon gewundert, woher der canadische Wein kommt).
Ein nettes Schild erinnert mich an meine Mission als Christ, Gott ist überall gegenwärtig, man muss nur die Augen öffnen und für die Blinden unter uns stellt er dann auch schon mal ein Schild auf. Diese kündigt wildes Wasser an.
Erschöpft von dieser weiten Tagesstrecke 438 Kilometer und schweißtreibenden 8 Stunden Fahrtzeit treffen wir am Hotel ein.
Das Apartement ist nett, bekommt spontane 3 von 5 Punkten, Kitchenette, Wohnraum dunkel, aber unter Tannen d.h. Schatten den ganzen Tag, verspricht Kühle, Balkon im Dauerschatten, alles ein wenig verwohnt, aber zweckmäßig. 2 Schlafräume, einer mit Kingsize-Bett, und einer haltet euch fest mit einem Queensize-Doppelstockbett.
Lustig ist es ab dem Moment nicht mehr, wenn der riesige, ausgewachsene Sohn sich im oberen Bett umdreht und sich das ganze Bett mit bewegt und darüberhinaus die ganze Nacht fürchterlich knarzt. Nun gut für die nächste Nacht tut's dann wohl wieder die Schlafcouch für Mama.
Poolbereich gepflegt, Hot-Tube bei 40 Grad anfangs sehr schmerzhaft, aber nicht so schmerzhaft wie der fette Sonnenbrand meines Gatten, "Schatz creme dich doch mal ein, zu spät!".
Fitnessbereich, sauber und gepflegt und von beiden Männern benutzt.
Das Einzige was bemerkenswert ist, die Teenager-Quote liegt hier über 80-90 % bei der Bettenbelegung. Und das liegt daran, dass Whistler DER Sport-Ort für Fun-Sportarten ist und zwar ganzjährig.
Hier wird gesnowboardet, Ski gefahren, Skateboard gefahren, Mountenbiking ist voll angesagt. Das Alles von cultig bekleideten, coolen Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die jede Menge Spaß haben.
Den Spaß hatten sie auch am Pool, jedoch sind die "Bürgersteig-Klapper" wie ich sie liebevoll nennen will hier in Canada sehr streng, nicht nur dass man sofort nach dem Menü aus einem Restaurant herauskomplimentiert wird, auch rumlungern bis tief in die Nacht und gar lauter Teenie-Krach ist verpöhnt. Somit kann ich meine Uhr danach stellen um Punkt, wirklich Punkt 10 Uhr pm ist Totenstille am Pool und Ruhe kehrt ein bei uns müden Reisenden.
09.07.2013
Guten Morgen Canada, Duschen in einer tollen Duschwanne, sowas gibt es echt nur hier, die gehen bis 2 Meter hoch und haben eingelassene Sitzgelegenheiten, echt toll ich will sowas in Germany auch.
Frühstück nur für 2, heute mal ganz amerikanisch steht auf dem Buchungszettelchen. Hungrige Teenager haben schon reichlich geerntet, als wir um 9.30 Uhr in der Halle erscheinen, welche übrigens auch Durchgangsbereich in alle Zimmergänge ist (stört nen bisschen), hier kontrolliert keiner irgendwas. Weder ob wir 1, 2, oder 3 Personen sind, wir sind brav nur 2, Timon hatte Müsli auf dem Zimmer, noch wieviel die Leut auf die Zimmer schleppen oder in ihre Rucksäcke, noch ob wir überhaupt hier frühstücken dürfen und aus dem Hotel kommen. Vertrauen ist gut und funktioniert hier in Canada anscheinend auch rein rechnerisch.
Die Tische kleben, feudeln hilft nicht wirklich ihr lieben Service-Kräfte (aber die müssen erst mal für Nachschub für die Meute sorgen), das Frühstück ist erstaunlich reichhaltig (nix interkontinental).
In Buffetform gibt es Eier, Obst, reichaltige Auswahl an Müsli, Muffins, Keksen mit Schoko, Brotsorten (pappig wie immer) jedoch mit Maxi-Toaster aufzupeppen.
Butter, Frischkäse, Marmelade, Erdnussbutter, Sirup, Honig ergänzen das Angebot. Zum Selberbacken der Hit, frische Waffeln, schnell das Patent erkannt, produziert der tolle Automat echt leckere Waffeln, so was brauche ich auch zu Hause.
Säfte zum Nachnehmen; Kaffee, Tee und Wasser (dieses den ganzen Tag).
Das Internet ist nur in der Lobby wirklich brauchbar, dort aber schnell. Nach ausgiebigen Blog-Aktualisierungen und Poolbesuchen, inkl. kostenfreiem Sonnenbrand, beschließen mein Mann und ich in die große City zum Bummeln zu fahren.
Apropos Übernachtung, auch unser Wagen hat sehr gut geschlafen, Kingsize haben wir auch ihm ein Upgrade verpasst, Frau Kniest (sorry, habe gerade erst gemerkt dass ich ihren Namen verkehrt schrieb in den vorangegangenen Tagesberichten, Asche auf mein Haupt), aufgemerkt, der Schlafplatz für PKW kostet ab sofort pro Nacht sage und schreibe 24 Dollar (statt der 12).
Whistler - 2010, unter Anderen, Austragungsort der Olympischen Winterspiele. Hier sieht man noch viele Spuren davon, nicht nur, dass alle Touristen von den hervorragenden Pisten und Schlepp-, Sesselliften, Hotels profitieren können, auch Einkaufsmöglichkeiten gibt es ausreichend. Der Supermarkt am Market-Place ist riesig und reichhaltig bestückt, hir bekommt man sogar frischen Hummer (ich habe meinem Mann gerade versprochen nicht zu lachen, aber er sieht im Moment einem Hummer sehr ähnlich) und frische Krebse.
Hier sind drei spezielle Fotos für die Familie Kulozik.
Liebe Lena, ich habe dir ein spezielles Foto versprochen und es sollte nicht irgend eines sein, sondern eins, dass zu dir passt und lustig ist, so fröhlich, bunt und voll süß wie du. Hier ist es (gesehen in einer Kunstausstellung in Whistler, bestricktes Mountainbike, handgestrickt von der ortsansässigen Strickgruppe).
Liebe Lena, ich habe dir ein spezielles Foto versprochen und es sollte nicht irgend eines sein, sondern eins, dass zu dir passt und lustig ist, so fröhlich, bunt und voll süß wie du. Hier ist es (gesehen in einer Kunstausstellung in Whistler, bestricktes Mountainbike, handgestrickt von der ortsansässigen Strickgruppe).
Und für deinen Papa Chris ein passendes Gefährt, dass seiner würdig ist, hatte hinten Zwillingsreifen, ich brings dir mit, es kommt dann in ein paar Wochen mit dem Schiff hinterher.
Und für Bianca, meine Liebe, einen tätowierten, "dreckigen" Wagen, ganz nach deinem Geschmack.
Was soll man sagen, Whistler ist echt hübsch (das ist die kleine Schwester von nett), hier geht man shopping, man flaniert oder ist auf dem Berg und fährt Snowboard oder Downhill mit dem Bike, deshalb gibt es auch an jeder Ecke Bikeverleih oder -verkauf.
Die nette Häkel- und Strickgruppe bekleidet hier übrigens auch die Laternenmasten. Wenn man sonst nix anderes zu tun hat, dann auch das, frei nach dem Motto: ist das Kunst oder kann das weg!
Gut ihr Lieben, das war unser heutiges Abenteuer.
Liebe Grüße von den immer noch entspannten Urlaubern
Christian, Edda und Timon
Di., 09.07.2013, 22:53 Uhr, bei euch 7:53 (ich geh jetzt schlafen ihr steht auf)
Das war Tag 10 und 11
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen