06.07.2013
Um 10 Uhr am Morgen brechen wir bei den Poccachontas auf in Richtung Jasper (natürlich darf unser quengelnder Sprössling noch schnell zu Tim Horton auf einen schnellen Internetzugang und Papa auf 'nen vernünftigen Kaffee, für Mama ein leckeres Eis), wieder entlang der uns nun schon vertrauten Strecke.
Und zück' die Liste, da auf weitem Feld erkennt mein guter Göttergatte
eine Bewegung, ha liebe Japaner, hier kommt die Konkurrenz, ALLEINE
halten wir als ERSTE am Straßenrand und dort ist er, mein Tele 300er
erfasst ihn. Er sieht uns mit geschärftem Blick eines Raubtieres und
kann auf Linsentechnik verzichten. Mensch und Tier starren sich an - ein
Coyote.
Weiter geht es auf der Route 16 in Richtung Mount Robson (höchster Berg Canadas mit 3954 Metern). Zum Wiegen gehen die LKW hier alle Nase lang auf die Waage, damit sie auch blos nicht das vorgeschriebene Gewicht überschreiten, auf diesen Straßen oft lebensgefährlich.
Enttäuschenderweise lag der Berg komplett in weiße Watte gehüllt, ein triftiger Grund wieder nach Canada zu kommen, finden wir.
Anschließend wechseln wir auf den Highway 5 in Richtung Valemont, vorbei an Téte Jaune Cache.
Relativ unspektakuläre Landschaft veranlasst mich den Blog der vergangenen internetfreien Tage nachzuholen und so tippe ich fröhlich 2 Tage, während meine Männer die Stellung halten und nach Wildtieren Ausschau halten. Da stehen doch Böckchen und haben die Nerven quer über die Straße zu gehen, trotz Autos.
Ohne größere herausragende Ereignisse erreichen wir Clearwater, dachten wir!
Unser Navi zeigt noch 20 Kilometer bis zum Bettchen, der Chef sagt "oh, es liegt noch vor Clearwater, da gehen wir doch erst die Höhle angucken…" (der schlaue Leser weiß, was jetzt kommt).Die restlichen 20 Kilometer gleichen einer Fahrt ins Nirvana (mehrfach bemerke ich: "so muss es sein, wenn wir gleich von der Scheibe runterfallen". "Pampa" ist ein zu freundlicher Ausdruck, wir schrauben uns gazellengleich eine steinige Schotterpiste hinauf und hinab. Hier können wir doch nicht richtig sein, oder? Erwartungen hin oder her so weit draußen kann doch kein Resort liegen, aber doch es kann.
Der Manager bestätigt uns zu dem Thema später mit einem Lachen "ein bisserl Abenteuer muss doch sein, oder?" er ist ein Deutscher und nimmt Alles mit canadischer Gelassenheit. "Ey, ihr seid doch hier im Urlaub", schallt es uns entgegen, als wir nach dem WiFi fragen. Recht hat er.
Zurück zu den Erwartungen, der Anfahrtsweg von 51 Minuten von der Abzweigung der Hauptstraße bis zum Alpine Meadowes Resort, wird niemals dem gerecht, was sich unserem Auge eröffnet. Eine super gepflegte Außenanlage an einem traumhaft schönen See gelegen. 30 edle Blockhäuser schmiegen sich in die sanfte Hügellandschaft. Und hier sagen sich wirklich Fuchs und Hase gute Nacht.
Die exklusive Ausstattung in dem riesigen Haus ist von liebevoller Hand
fachmännisch ausgewählt und wir vergeben schon mal 5 von 5 Sternen beim
Eintritt in die "Hütte".
Es fehlt an nichts, inklusive beängstigender Ruhe in der Umgebung fühlen wir uns am Ende der Welt angekommen.
Zum Glück entscheiden wir uns zum Essen hier zu bleiben und nicht nach Clearwater zu fahren, das kennen wir schließlich noch nicht (es liegt ja erst hinter dem Resort…) und wer weiß, ob es in dem Nest überhaupt ein Restaurant gibt.
Das Essen ist mehr als exquisit, der Koch sieht aus, als wenn er kochen kann und alles gerne selber isst, ich mag keine verhungerten Köche, die aussehen, als wenn sie gar nichts von ihrem Essen zu sich nehmen, dieser gehört nicht dazu.
Die Bedienung freundlich, wie fast alle in Canada, bestätigt uns, schlechtes Englisch wäre kein Problem mit ein wenig keep smiling, recht hat sie, das Lächeln steht aber auch ihr gut.
Timon und Christian essen Steak, Edda Lachs, alles mit knackigem Gemüse und Pellkartoffeln. Getränke wieder nachgeschenkt. Zum Nachtisch gibt es Schokomouse für den "Kleinen" und warme Äpfel in Krokant, Sirup und Haferflocken mit Vanilleeis für Edda. Meinen Mann haben wir anscheinend schon vorher satt bekommen.
Wenn ihr essen wollt und Genießer seid, dieses Resort bekommt von mir 4 von 5 Sterne für die Küche (und das auch nur weil es in Canada keine Brötchen gibt ;).
Kommen wir gleich zum Frühstück am nächsten Morgen.
07.07.2013
Na, das war doch gar kein schlechter Start in den Tag.
Huch, ich habe ja etwas ganz Tolles vergessen, wir haben auf der Frühstücksterrasse kleine charmante Begleiter. Gerade mal 5 cm groß und flink wie Wespen umschwirren sie uns. Kolibris haben hier ihre "Futterstation".
Befüllt mit Zuckerwasser bieten sie uns bei den Mahlzeiten ein tolles Schauspiel, emsiges Hin und Her, stellenweise mit lautem Brummen, immer ran an die Tankstation. Revierkämpfe tragen sie mit lautstarkem Tschirp-tschirp aus. Gottchen sind die süß, ich habe noch nie Kolibris gesehen und sie sind so schnell wie ich gehört habe, stehen in der Luft, als überlegten sie wohin sie fliegen müssen, echt toll.
Auf nach Clearwater, wir durchbrechen den festen Vorsatz Timon nicht fahren zu lassen, er hat den Deutschen Führerschein, ist jedoch nicht auf den Leihwagen zugelassen, nun gut hier in der Pampa lassen wir ihn auf dem Resortgrundstück bis zum Haupttor fahren. Der Tag ist nun auch für ihn gerettet. (Das haben sie nicht gelesen Frau Knies von Canusa, wir sind da sonst sehr streng).
Clearwater ist mit 6000 Einwohnern wohl recht groß verglichen mit den Ortschaften, durch die wir gefahren sind, allerdings frage ich mich, wo diese Leute wohnen?
Ich sehe beim Durchfahren der "Hauptstraße" (das ist ein Scherz) eine Tankstelle, einen Supermarkt und einen A&W, einen Internetladen und einen Laden für Raftingtouren. "That was it!"
Oups ok da steht ein Haus und da hinten noch eines, aber 6000 Leute, ich bitte euch, nie im Leben.
Das ist übrigens so ein nettes transportables Langhaus, von denen es hier echt viele gibt.
Wir kaufen im einzige Supermarkt, die teuersten Lebensmittel der Welt, ich unke: die werden mit Paketen über dem Gebiet abgeworfen und es dauert so lange diese einzusammeln, deshalb die Preise, haha!
Vor dem Geschäft die wohl wichtigste Wand im Umkreis von 100 Meilen. Hier werden Informationen ausgetauscht, gilt zugleich als Flohmarkt, tausche Boot gegen Trecker, als auch als Singlebörse und Hilfeschrei nach Handwerkern der Gegend, auch diese werden mit dem Flieger abgeworfen.
Auf zu den Highlights dieses Tages im Wells Gray-Provincial-Park. Erste Anlaufstelle, das Paradies der Riesenmücken, Spahat-Falls ein Wasserfall, den man nicht unbedingt gesehen haben muss, es sei denn man hat noch keine Mückenstiche und ist scharf darauf.
40 Kilometer weiter der 2. Fall: Dawson-Falls mit einer Brücke ummantelt, sehen wir hier starke Strömungen.
4 Kilometer weiter dann das Ziel, die Heimecken-Falls. Die wohl spektakulärsten Wasserfälle der Region. Auf jeden Fall einen Besuch wert. Hier geht's richtig runter. 2,5 mal höher als die Niagarafälle (sieht gar nicht danach aus, aber Reiseführer lügen ja angeblich nicht). Ausserdem kann man das Christians unentspannten Gesichtsausdruck auf den Fotos ansehen, es ist echt hoch.
Das ist Bärenfell, das sieht ma hier überall in Flocken herumliegen, deshalb schnell zurück zum Auto, falls der Kerl merkt, dass er etwas verloren hat.
Zurück in unserer "Hütte" freuen wir uns auf ein anständiges BBQ am Abend, wir sitzen zwar nicht auf der Terrasse, dafür bleiben wir Mückenstichfrei, hurra. Wieder ein tolles Essen, wir fühlen uns pudelwohl.
Genießen kann man hier die Stille, den kaum funktionierenden Internetanschluss, wir haben schließlich Urlaub, und das süße Nichtstun, gekrönt von tollem Essen. Ein wirklich toller Anlaufpunkt auf unserer Reise.
Ob das noch zu toppen geht…
demnächst hier in diesem Theater, bleibt weiter auf unserer Reise bei uns, dann könnt ihr auch was erleben.
Christian, Edda und Timon
(vollgefressen, müde und zufrieden)
Tag 8 und 9
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen